Beitrag von Mario Krämer, Geschäftsführer ASA Automation Mainhausen, 02. Juli 2020

Seit des Lockdown Mitte März hierzulande hat sich die Arbeitswelt verändert – Reisen entfallen, Mitarbeiter verzichten auf gemeinsame Aktivitäten, die Kommunikation erfolgt weitgehend online. Mario Krämer, Geschäftsführer der ASA Automation GmbH in Mainhausen, gibt einen Einblick in die neue Normalität der Produktion. Die Krise zwingt uns dazu, aus ihr zu lernen, schreibt er. Bei allem Abstand, der äußerlich eingehalten werden muss: Das „Wir-Gefühl“ scheint gewachsen. Denn schließlich müssen alle diese Zeit gemeinsam durchstehen.

Foto: ASA Automation

Mario Krämer, Geschäftsführer ASA Automation GmbH Mainhausen. Das Unternehmen entwickelt und produziert produktspezifische Automatisierungslösungen am deutschen Standort in der Nähe von Frankfurt/Main. Es geht dabei um komplexe Turnkey-Projekte über die Verkettung von Maschinen, Anlagen und einzelner Funktionsmodule bis zum Retrofitting. Die Förder- und Handhabungssysteme werden vor allem in der Fertigung und Montage sowie in der Verarbeitung und Verpackung von Produkten eingesetzt. www.asa-automation.com

Corona hat – wie wohl überall – auch unseren Arbeitsalltag und die gewohnten Abläufe verändert. Wir haben versucht die Gegebenheiten an die notwendigen Vorgaben bestmöglich anzupassen. Natürlich haben wir unsere Mitarbeiter intensiv über erforderliche Hygienemaßnahmen aufgeklärt. Wir haben das Zusammenarbeiten von Mitarbeiten entzerrt, um den vorgegebenen Mindestabstand so gut es geht einhalten zu können. Risikopatienten haben wir bestmöglich isoliert. Inhousetermine sowie Termine außer Haus, die nicht dringend notwendig sind, haben wir ausgesetzt. Besucher, deren Termin unumgänglich ist, füllen einen entsprechenden Fragebogen aus. Und natürlich sorgen wir dafür, dass Schutzmasken und Desinfektionsmittel ausreichend vorhanden sind.

Das gemeinsame Frühstück muss entfallen

Wir alle waren es gewohnt, einander die Hand zu geben. Das fällt jetzt leider weg. Besonders schade ist es, dass gemeinsame Vorhaben und „das Miteinander“ entfallen müssen. Unser monatliches Mitarbeiterfrühstück und regelmäßige Mitarbeiter-Grillfeste, die immer unseren „Team-Spirit“ gefördert haben, mussten seit März ausfallen. Das bedauern wir alle. Und ob es in diesem Jahr einen Sommer-Ausflug und eine Weihnachtsfeier geben kann, ist noch sehr ungewiss. Aber wir wollen nicht nichts tun und organisieren immer mal wieder einen Kuchen als Geste der Anerkennung für unsere Mitarbeiter.

Thema Glasfaser gewinnt an Dringlichkeit

Diese Corona-Situation hat auch offengelegt, welche Technologien wir für unsere Zusammenarbeit benötigen. Aktuell nutzen wir bereits eine Vielzahl von nützlichen Tools wie Skype oder Team Viewer. Sie bekommen künftig noch wesentlich mehr Bedeutung. In Zeiten von Home-Office oder auch bei intensivem Auslandsgeschäft wird die Dringlichkeit der Glasfaser wieder deutlich – dieses Thema sind wir schon frühzeitig angegangen.

Denn zum Beispiel Mails mit großem Datenvolumen oder Online-Meetings über eine große Distanz, wie es die ASA fast täglich durchführt, erfordern wesentlich mehr Konzentration als ein Face-to-Face-Meeting. Es darf daher zu keinen technischen Ausfällen wegen eines leistungsschwachen Internets kommen – das ist schlicht und ergreifend ermüdend, bremsend und nervend.

In der Krise wichtig: strategisch breit aufgestellt!

Diese Krise zwingt uns als Unternehmen dazu, aus ihr zu lernen. Eine Krise hat viele Gesichter, vor allem solche, die uns bisher unbekannt gewesen sind. Sprach man bisher von Wirtschaftsflaute, Kriegen oder Finanzkrisen als Ursache, so waren Krankheiten in Europa als Krisenauslöser eher nicht mehr präsent. Und man kann sich nur bedingt schützen vor Dingen, die man nicht kennt oder nicht sieht. Wir als Unternehmen sind uns darüber im Klaren, dass wir permanent „mit der Zeit gehen“ müssen. Für uns gehört auch dazu, stetig aber gesund zu wachsen und uns breit aufzustellen. Hier hat die ASA in den vergangenen Jahren eine gute Basis für die kommende Zeit geschaffen.

Dienstreisen kommen auf den Prüfstand

Sicher werden wir in Zukunft manches anders machen – zum Beispiel ist mehr zu hinterfragen, ob jeder Termin zwingend einen Besuch vor Ort notwendig macht. Aber ganz verzichtbar sind Dienstfahrten nicht. In vielen Fällen ist es wichtig, sich zu treffen. Außerdem ist das Zwischenmenschliche selbst in der Automatisierung ein wichtiger Aspekt. Gezwungenermaßen ist in unserer Unternehmenskommunikation aktuell der Fokus mehr auf Online-Kanäle wie Newsletter, Facebook, Instagram und Twitter gerückt. Auch wann und in welchem Ausmaß wir wieder Teil einer Fachmesse sein werden, ist aktuell leider noch nicht absehbar.

Reiseeinschränkung beeinträchtigt Unternehmensplanung

Der Auslandsanteil unserer Arbeit beträgt rund 80 Prozent, 65 Prozent unserer Kunden sind in Südamerika angesiedelt. Daher stellt sich für uns aktuell die Frage, in welchem Ausmaß wir weiterhin unsere südamerikanische Niederlassung ausbauen. Denn allein die Reisebeschränkung hat uns deutlich gezeigt, dass nur eine und vor allem eine nie denkbare Veränderung eine ganze Unternehmensplanung stören und sogar durcheinanderbringen kann.

Transparenz und ein offenes Ohr für das Personal

Unsere Mitarbeiterfluktuation liegt seit vielen Jahren unter drei Prozent. Wir haben viel in diesen wichtigen Bereich investiert, um unser Fachpersonal zu halten. Mitarbeiterzufriedenheit und Motivation sind uns wichtig, daran arbeiten wir stetig. Wir versuchen aktuell mehr denn je, den Mitarbeitern regelmäßig die derzeitige Firmensituation offen zu schildern und haben für jede Sorge ein offenes Ohr. Zugleich appellieren wir an den Teamgeist jedes Einzelnen, um das „Große Ganze“ in den Mittelpunkt zu stellen – das ist nun einmal unser Unternehmen. Wir als Familie Krämer sind in der jetzigen Zeit noch mehr als schon zuvor darauf bedacht, Verständnis für unsere Mitarbeiter zu haben. Gleichermaßen versuchen wir ruhig und umsichtig zu handeln und dies auch zu vermitteln.

Das stärker gewordene „Wir-Gefühl“ ist auch zwischen unseren Kunden und uns als Lieferant auszumachen. Es fehlt zwar leider der persönliche Kontakt, aber unsere Kunden geben uns mehr Zeit für Abstimmungen und bringen mehr Verständnis auf. Man kann sagen, dass eine Art Partnerschaft entstanden ist, um diese Krise gemeinsam durchstehen zu können.

Ein spezieller, persönlicher Lockdown-Moment: leere Flughäfen

Zum Zeitpunkt des unmittelbar bevorstehenden Lockdown in Deutschland war ich gerade in Südamerika auf Geschäftsreise. Dort war die Situation bis dato lange nicht so angespannt. Es gab engmaschigen Austausch mit ASA Deutschland bezüglich der aktuellen Sachlage. Aber es war für mich aus der Ferne nicht so greifbar und real, als wenn ich in Deutschland gewesen wäre. Der Heimflug wurde zwei Mal verschoben und schlussendlich über zwei leere und in großen Teilen abgesperrte Flughäfen Mailand und München abgewickelt. Diese Bilder waren fast surreal und sind mir sehr im Bewusstsein geblieben. Hätte man doch ein leeres Drehkreuz wie Mailand niemals für möglich gehalten. ■