Beitrag von Ulrich Balbach, CEO Leuze electronic GmbH, Owen, 06. August 2020

Kreativität und Innovationskraft stehen für Leuze auch während der Corona-Pandemie ganz oben auf der Werteliste. Proaktiv handeln, den eigenen Weg finden und diesen konsequent und selbstbewusst gehen, auch wenn das politische und wirtschaftliche Umfeld noch unsicher erscheint – so zuversichtlich lautet die Devise von CEO Ulrich Balbach.

Ulrich Balbach Leuze

Foto: Leuze

Ulrich Balbach, Geschäftsführer der Leuze electronic GmbH + Co. KG im schwäbischen Owen/Teck. Der studierte Ingenieur der Elektrotechnik ist seit 22 Jahren einer der mehr als 1.200 Sensor People weltweit und seit acht Jahren CEO bei Leuze. Er versteht sich und seine Kollegen als Wegbereiter für technologische Meilensteine in der industriellen Automation. Zum Leuze-Portfolio zählen schaltende und messende Sensoren, Identifikationssysteme, Lösungen für die Datenübertragung und Bildverarbeitung sowie Komponenten und Systeme für die Arbeitssicherheit. Der Fokus liegt auf den Bereichen Intralogistik und Verpackungsindustrie, Werkzeugmaschinen, der Automobilindustrie sowie der Laborautomation. www.leuze.com

Eine besondere Herausforderung stellte in den letzten Monaten die Gesundheitskrise rund um Corona dar. Hier haben wir von der Erfahrung unserer asiatischen Leuze-Töchter zu Jahresbeginn profitiert, die Situation sehr frühzeitig erkannt, proaktiv agiert und deren Konzept weltweit adaptiert. Beispielsweise haben wir bereits Anfang März ein unternehmensweites Wechselschichtmodell eingeführt und mit maximaler Auslastung produziert, um ein Abreißen der Lieferketten zu vermeiden.

„Corona ist eine Gesundheitskrise, keine Wirtschaftskrise“

 Corona wurde von vielen von Anfang an als Wirtschaftskrise dargestellt. Das ist aus unserer Sicht nicht ganz richtig. Bis auf die Automobilindustrie und den Bereich der Werkzeugmaschinen befindet sich das Industrieumfeld, in dem wir tätig sind, in keiner Wirtschaftskrise. Corona ist eine Gesundheitskrise, keine Wirtschaftskrise. In der Tat zieht die Gesundheitskrise mangels politischer Lösungen mittlerweile aber eine konjunkturelle Krise im industriellen Sektor nach sich. Das Hauptproblem besteht aus unserer Sicht vor allem darin, dass unsere Maschinenbauer ihre Maschinen nicht ausliefern und vor Ort in Betrieb nehmen können, weil die Inbetriebnehmer keine Möglichkeit haben, in bestimmte Regionen der Welt zu gelangen. Dieses Problem haben wir alle, und das hinterlässt negative wirtschaftliche Spuren im gesamten industriellen Sektor. Das lässt sich nicht individuell lösen, sondern nur auf höchster politischer Ebene. Für Lkw-Transporte gibt es beispielsweise eine „grüne Linie“ – genau das brauchen wir für unsere Inbetriebnehmer auch. Würde der Transfer der Monteure politisch gelöst werden, würde es wirtschaftlich auch im industriellen Sektor wieder aufwärtsgehen. Solange wir hierfür aber keine politische Lösung finden, kann auch ein Aufschwung nicht stattfinden.

Erfolgsrezept Alternating Quarantine

Das Konzept „Alternating Quarantine“ hat Leuze zunächst an den asiatischen Standorten umgesetzt, danach an allen Standorten weltweit. Dieser jüngst vom israelischen Virologen Dr. Baruch Barzel geprägte Begriff umschreibt das alternierende Arbeiten im Wechselschicht-Modell. In Teilteams eingeteilt, ohne sich persönlich zu begegnen, alternierend wechselnd, arbeiten sowohl die Mitarbeiter in Fertigung und Logistik als auch die in technischen oder kaufmännischen Bereichen tätigen Sensor People. Wir können nach nunmehr zehn Wochen resümieren, dass dies dank der erforderlichen Disziplin der Mitarbeiter und dem entsprechenden technischen Equipment hervorragend funktioniert. Die Situation wird regelmäßig überprüft und angepasst. Länderspezifische Gegebenheiten, Lockdowns sowie Vorgaben der Regierungen werden berücksichtigt und eingehalten.

Virtuelle Messen und Webinare haben sich bewährt

Mitarbeiter beispielsweise in China, Indien oder auch im europäischen Ausland haben zeitweise ausschließlich im Homeoffice gearbeitet. Dienstreisen haben wir bereits zum Jahresbeginn eingestellt, Messeteilnahmen zum Schutz der eigenen Mitarbeiter schon zu diesem Zeitpunkt abgesagt. Meetings und Kundentermine haben ausschließlich online stattgefunden. Für Kunden gab es die Alternativangebote „Virtuelle Messen“ und Webinare. Ein Konzept, an dem wir ergänzend zu unseren Live-Aktivitäten sicher auch in Zukunft festhalten werden.

Lieferfähigkeit blieb durchgehend erhalten

2019 hat Leuze mit einem Wachstum im mittleren einstelligen Bereich abgeschlossen – es war ein Rekordjahr. Natürlich spüren auch wir derzeit die Auswirkungen der Corona-Krise, aber zum Glück fallen diese an unseren weltweiten Standorten nicht zum selben Zeitpunkt und auch nicht mit derselben Gewichtung an. Das sind die Vorteile eines international tätigen Global Players. Das Familienunternehmen hat mit maximaler Auslastung produziert und die Lager kurzzeitig gefüllt, um lieferfähig zu bleiben. Diese Rechnung ging auf: Kunden und Lieferanten erhielten ihre Bestellungen weltweit nahezu ohne zeitliche Verzögerung. Besonders wichtig ist das beispielsweise in der Labor-Automation oder auch in der Intralogistik, wo wir unseren Beitrag leisten, dass die systemrelevanten Lieferketten aufrechterhalten werden.

Investitionen in globale Strukturen

Die positiven Zahlen erlauben es, geplante Investitionen in globale Strukturen zu realisieren. Auch der Bau des neuen Leuze-Distributionszentrums in Unterlenningen nahe der Firmenzentrale wurde umgesetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen, durchaus auch innerhalb unserer Branche, sehen wir derzeit keinen Grund dafür, über Kurzarbeit nachzudenken. Im Gegenteil: Gut ausgebildete Fachkräfte werden immer gesucht und gebraucht, zumal Leuze ambitionierte Ziele hat. Leuze hat das komplette Unternehmen auf eine konsequente Differenzierungs- und Fokussierungspolitik ausgerichtet und für sich klar definiert, was Innovation bedeutet: Technik so zu gestalten, dass für Kunden ein konkreter Nutzen und Mehrwert bezogen auf deren spezifische Applikation entsteht. ■